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Vegetarier, Veganer, ovo-lacto? Fühlst du dich sicher, was diesen Begriffsdschungel angeht oder sind das für dich böhmische Dörfer?
Die Lage ist diffus – sowohl Lexika, Wörterbücher, als auch Praktizierende verschiedener Lebensrichtungen sind sich in Sachen Definitionen nicht durchweg einig. Was dabei das Problem ist und wer welche Begriffe grob wie unterscheidet, erfährst du hier.

Vorab ein ganz wichtiger Hinweis: Der Volksmund und diverse Definitionen aus sämtlichen Quellen unterscheiden sich grundlegend. Manche Dinge halten sich eben besonders hartnäckig. Das ist in im Grunde in etwa wie mit der Gelatine, die Vielen noch immer fälschlicherweise als Gelantine bekannt ist.

Um den Unterschied von Volksmund und Definitionen deutlicher zu machen, gehe ich auf beides genauer ein.

Vegane Pizza

Der Volksmund besagt, ein Vegetarier sei ein Mensch, der auf den Konsum von Fleisch und Fisch verzichtet.
Mit Sicherheit macht dies ein mancher Vegetarier auch genau so, allerdings stellt sich recht schnell die Frage, inwieweit man dies nun selbst eingrenzt.
Geht es lediglich um den Konsum von Fleisch und Fisch oder um das grundsätzliche Verzehren von Teilen eines Tieres? So gibt es durchaus Vegetarier, welche unter Vegetarismus an sich auch bereits den Verzicht auf Gelatine aus Speckschwarten, Knochen und Sehnen, sowie auf den Farbstoff Karmin (E120) aus toten Schildläusen verstehen. Anderen ist dies wiederum egal. Wusstest du eigentlich auch, dass es namhafte Chipssorten gibt, welche beispielsweise Wild-Aroma enthalten, welches nicht ausdrücklich in der Zutatenliste als solches vermerkt werden muss?

Selbst wenn all diese Fragen dann geklärt sind, blieben noch immer weitere Baustellen offen.
Was ist mit der Klärung von Weinen und Säften durch Fischblase oder Gelatine, welche zumindest aus dem Endprodukt wieder herausgefiltert wird und somit nicht deklarierungspflichtig ist? Und wie steht es um das Lab zur Käseherstellung? So kommt dieses eiweißspaltende Enzym oftmals trotz mikrobieller Alternativen noch immer aus den Mägen toter Kälber und könnte somit als Teil eines toten Tieres gelten. Bei Bio-Käsesorten ist der Einsatz der vegetarischen Variante sogar tatsächlich verboten.
Wie du hier schon sehen kannst – es gibt bereits im Volksmund überhaupt nicht den einen Vegetarier.

Eine Sache kann man unter Vegetariern dann aber doch einheitlich ausschließen –  es hält sich in manchen Kreisen noch immer hartnäckig das Gerücht, man könne als Vegetarier auch Fisch essen. Da Vegetarier allerdings grundsätzlich auf den Konsum von tierischen Bestandteilen verzichten, ist diese Annahme als grundsätzlich falsch zu bewerten. Man nennt diese ZielgruppePescetarier.

Ähnlich wie mit den Vegetariern verhält es sich auch mit Veganern. Veganer sind in den Augen der Gesellschaft oftmals jene Menschen, welche einen Konsum von Essen mit tierischen Bestandteilen aller Art ablehnen. Bereits hier wird es schwammig – geht es hier lediglich um die reine Nahrungsaufnahme oder weitet es sich auf weitere Bereiche wie Kosmetik und sonstiges Konsumverhalten aus? Wie steht es um das Tragen von Leder, Seite und Wolle? Dürfen Menschen hingegen als tierische Gattung selbst ausgebeutet werden?
Das Ganze geht sogar so weit, dass seitenweise darüber diskutiert wird, wieso manche Leute Honig doch als vegan ansehen könnten und warum man stattdessen lieber den Konsum von Mandeln oder Palmöl überdenken sollte. Diesen Thematiken sollte ich allerdings lieber ihre eigenen Blogeinträge widmen, das würde im Rahmen des heutigen Beitrags zu weit führen.

Veganes Sushi

Doch was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu, wie steht es in den Lexika und Wörterbüchern dieser Welt? Dazu muss ich geschichtlich ein wenig ausholen.

Die Wortschöpfung vegan geht auf einen Engländer namens Donald Watson zurück. Er gründete im Jahre 1944 gemeinsam mit einigen Freunden die Vegan Society.
Die Vegetarian Society sah den Ursprung des Wortes vegetarian (Vegetarier) im lateinischen vegetus (frisch, lebendig, kraftvoll).Watson verfolgte jedoch den Ansatz des englischen Begriffs vegetable (Gemüse, pflanzlich) und zog daraus logische Konsequenzen für sein Handeln.
Genau deshalb entsprach der Konsum von tierischen Produkten wie Milch, Käse, Eiern und Co. auch nicht seinen Vorstellungen des Vegetarismus. Um dies noch einmal deutlich abzugrenzen, schuf Donald Watson zunächst den Begriff des total vegetarian (strenger bzw. konsequenter Vegetarier). Als Grund für dieses Wortspiel nannte er, dass Veganismus eine logische Konsequenz des Vegetarismus sei. Mit Vegetarismus beginne alles, das logische Ende sei der Veganismus, so Watson.
Über den Lauf der Zeit entwickelte sich der Begriff weiter. Das im englischsprachigen Raum etablierte Webster’s Dictionary ist derzeit bei einer zweigeteilten Definition angelangt. Einerseits sei ein Veganer ein Vegetarier, der den Konsum tierischer Nahrung vermeidet, andererseits durchaus auch jemand, der die Nutzung tierischer Produkte als Gesamtheit vermeidet.

Deutschsprachige Wörterbücher definieren den Veganer aktuell als Vegetarier, der vollständig auf tierische Produkte verzichtet oder halten sich eher bedeckt, indem sie auf einen Anhänger des Veganismus verweisen.

An welchen Definitionen kann man sich denn nun aber grob orientieren?

Nun, aus meinem Alltag und den Recherchen heraus bin ich immer wieder auf fünf Grundtypen der Vegetarier gestoßen, welche ich als gute Orientierung der Handlungsspielräume sehe, sollte man sich in eine dieser Gruppen einordnen wollen. Diese sind wiefolgt:

  1. Ovo-Lacto-Vegetarier
    Die in Deutschland wohl am häufigsten vertretene Gruppe der Vegetarier stellen die Ovo-Lacto-Vegetarier. Diese verzichten auf den Konsum Fleisch und Fisch, haben hingegen aber kein Problem mit dem Konsum von Eiern (Latein: ovo) und Milch (Latein: Lacto).
  2. Lacto-Vegetarier
    Die sogenannten Lacto-Vegetarier verzichten auf Fleisch, Fisch und zusätzlich auf Eier. Der Grund dafür liegt darin, dass Eier in ihren Augen ein ungeborenes Küken darstellen. Milchprodukte stellen für Lacto-Vegetarier kein Problem dar.
  3. Ovo-Vegetarier
    Diese Form des Vegetarismus ist weitaus seltener verbreitet, kommt aber hin und wieder doch vor. Ovo-Vegetarier meiden neben Fleisch und Fisch auch Milch und Milchprodukte. Dies könnte zum Beispiel durchaus auf laktoseintolerante Vegetarier zutreffen. Eier werden aber weiterhin konsumiert.
  4. Strenge Vegetarier
    Unter strengen oder strikten Vegetariern versteht man das, was auch Donald Watson als „total vegetarian“ beschrieben hatte – Menschen, welche den Konsum tierischer Nahrung komplett vermeiden.
  5. Veganer
    Während sich strenge Vegetarier „nur“ um tierische Bestandteile in ihrer Nahrung kümmern und jene meiden möchten, gehen Veganer einen Schritt weiter und übertragen diese Philosophie auch auf ihr restliches Leben. Es ist natürlich klar, dass man niemals komplett vermeiden kann, dass irgendwo Tiere zu Schaden kommen. Es geht hierbei jedoch nicht um Perfektion, sondern darum, den kleinstmöglichen Schaden anzurichten.

Letztlich ist es jedem selbst überlassen, wie er sich ernährt, wie er sein Leben bestreitet und ob er sich in eine der Schubladen einordnen möchte oder nicht. Es gibt schließlich keine anerkannte Vegetarier- oder Veganpolizei, die dich bei „Vergehen“ gegen irgendwelche Gesetze verhaftet und an den Pranger stellt. Manchmal mag man dies zwar vermuten, doch letztlich musst nur du selbst wissen, welchen Weg du persönlich einschlagen möchtest.

Deine Christin von Briefkeks

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Christin von Briefkeks

Christin von Briefkeks

Social Media bei Briefkeks
Christin macht Social Media bei Briefkeks, ihre Leidenschaften sind Musikjournalismus, individuelle Selbstentfaltung und der vegane Lebensstil.
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